Donnerstag, 01.10.2020 07:33 Uhr

CH - Herz-Skandal am Zürcher Universitätsspital

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 02.08.2020, 10:05 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 4849x gelesen

Zürich [ENA] In der Herzklinik am Zürcher Universitätsspital (USZ) folgen sich die Erschütterungen in immer kürzeren Abständen. Gestern berichtete das USZ, dass Chef Francesco Maisano abgesetzt sei. Am Abend ging am Unispital dann um, dass der Klinikmanager, eine Art rechte Hand von Maisano, nicht mehr aus den Ferien zurückkehren würde; dies aufgrund einer internen Untersuchung. Das Gerücht gehe aber an mehreren Stellen intern um, sagte eine Vertrauensperson. Sicher ist: Der Fall Maisano weitet sich nun rasend schnell aus. Der Italiener, der mit einer ganzen Crew von Verbündeten die Herzklinik am USZ seit 2014 kontrollierte, wehrt sich mit allen Mitteln. Ein Sprecher von Maisano sagte, der Chefarzt würde die Absetzung durch die USZ-Spitze „anfechten“.

Maisano ist nicht entlassen, darf aber nicht mehr auf die internen Systeme zugreifen. Laut Bericht habe der Italiener „während der Untersuchung mutmasslich auf Daten“ zugegriffen und diese verändert. Maisano bestreitet dies. Ebenfalls mandatiert sind die Anwälte von Niederer Kraft Frey (NKF), eine der führenden Wirtschaftskanzleien in Zürich.ie NKF-Juristen haben vor Monatsfrist auf 123 Seiten plus Anhang Herzprofessor Maisano in einem Parteigutachten weitgehend einen Persilschein ausgestellt. Diesem wird vorgeworfen, dass er lieber reich würde, als Patienten zu retten. Eine erste Untersuchung durch das USZ verneinte dies. Es sah keine strafrechtlich relevanten Vorkommnisse. Einzig bei der Dokumentation von Patientenbehandlungen seien

„leider“ Fehler passiert. Mehr nicht. Komplikationen während Aufsehen erregenden Operationen, bei denen neue Implantate eingesetzt worden seien, an denen Professor Maisano ein Geldinteresse habe, seien hingegen nicht absichtlich in Wissenschaftsmagazinen unerwähnt geblieben. „Es ist völlig an den Haaren herbeigezogen, dass ich meine Interessenbindung nicht deklariert habe, weil ich finanziell profitieren wollte. Dass man mir dies unterstellt, schmerzt mich noch viel mehr als meine Beurlaubung.“ Was Mörgeli dabei auslässt ist die Tatsache, dass Doktor Maisano an Firmen beteiligt ist oder war, die neue Implantante entwickelten, und er diese Implantate, also seine eigenen, in mehreren Operationen einsetzte.

„So verwendete (Maisano) nicht aus Eigeninteresse – unabhängig von der Diagnose – Implantate (devices) von Firmen, an denen er selber beteiligt ist.“ Dabei kam es zu Komplikationen, die Maisano nicht im Detail dokumentierte. Mit den Implantaten wurde Maisano vermögend. Vor dreieinhalb Jahren wurde eine seiner Firmen in den USA für Hunderte von Millionen Dollar erworben.

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