Sonntag, 17.01.2021 20:38 Uhr

Weiter Toplohn für Swiss-Piloten – Bern sei Dank

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 02.01.2021, 11:12 Uhr
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Zürich [ENA] Airline nutzt Milliarde vom Bund für Schadloshaltung ihrer ruhenden Captains. Sozialhilfe für KMU, Kaviar für Luft-Könige. 2020 passierte viel Undenkbares. Einen Höhepunkt gibts zum Schluss. Die braven Schweizer Steuerzahler sichern den hochbezahlten Swiss-Piloten mit ihrer Aeropers-Gewerkschaft ihre Spitzenlöhne. Die Airline bestätigte soeben dass sie die Kurzarbeits-Entschädigung für ihre Piloten aufstocken würde.

Die Massnahme ist pervers. Die Aeropers-Piloten verdienen ein Heidengeld. Nun haben sie seit Monaten frei – und erhalten vom Staat gut 12’000 Franken Kurzarbeit-Geld. Stolzer Betrag fürs Nichtstun. Doch die Aeropers, die wohl stärkste Gewerkschaft des Landes, wollte mehr. So gibt das Swiss-Management obendrauf ein paar Tausender – aus dem Topf von Bern. Die Rede ist vom 1,5-Milliarden-Kredit, den die Swiss im Frühling von den Banken erhalten hat. Diese sprachen das Geld nur, weil der Bundesrat die Summe garantierte. Sprich: Der Steuerzahler steht gerade für die Swiss. Täte er das nicht, dann hätten die Banken der Airline niemals so viel Flüssiges zu einem niedrigen Zins gewährt. Die Airline kann damit in Saus und Braus leben.

Gemäss ihrem Schweizer Präsidenten hat sie noch nicht einmal einen Drittel des Kredits aufgebraucht. „Die Liquiditätsausstattung bleibt also bis auf weiteres ausreichend“, meinte Reto Francioni, der auch im UBS-Verwaltungsrat sitzt. „Wir sind dankbar, dass der Bund die Bürgschaft gesprochen hat und hinter uns steht.“ Klar. Und nun schmeissen Francioni und seine Kollegen an der Swiss-Spitze das Geld des Bürgers den Captains der Lüfte in den Rachen. Diese leben in der besten aller Welten – Virus, Grounding 2.0, Stillstand hin oder her. Neben Schadloshaltung beim Dräumchendrehen gibts ordentliche Pensionierung mit 61, also 4 Jahre früher als für Otto Normalverbraucher. Danach rauschen viele Swiss-Könige nach Dubai oder China,

um ihre Karriere bei den dortigen Airlines fortzusetzen. Maximierung bis zum Geht-nicht-mehr: Toprente von der Swiss und Lohn vom neuen Arbeitgeber – Aeropers machts möglich. Die Piloten-Gewerkschaft hat die Swiss faktisch am Wickel. Sie bestimmt, wer gewinnt oder verliert. Das geht aus Antworten einer Swiss-Sprecherin vom Herbst hervor. „Unser Ziel, möglichst mit allen Mitarbeitenden an Bord durch die Krise zu kommen, ist allerdings nur möglich, wenn in allen Unternehmensbereichen substantielle Personalkostenreduktion erreicht werden“, meinte die Swiss-Frau auf die Frage, wann die Piloten in Rente können. „Daher denken wir aktuell auch über erweiterte Teilzeitmodelle und flexible Frühpensionierungsmöglichkeiten nach,

u.a. auch beim Cockpitpersonal.“ „Die Überlegungen sind momentan im Gange, weshalb wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Details kommunizieren können. Dies auch unter der Berücksichtigung der anlaufenden Verhandlungen mit Aeropers.“ In jeder „normalen“ Firma verfügt das Management übers Gürtel enger schnallen. Nicht so bei der Swiss: Dort wartet die Chefetage ab, bis sich die Piloten der Aeropers gnädig an den Tisch setzen. Es ist ein Relikt aus alter Swissair-Zeit. Die Aeropers-Kapitäne bilden ein Bollwerk wie damals, als die nationale Airline eine heilige Kuh war. Das Grounding vor 20 Jahren mit dem Aus für die Swissair änderte nichts am Sondersetting für die Cockpit-Leute – auch wenn ihr Job immer mehr zu Busfahren wird. 2020 kam die Chance

das Bollwerk Aeropers zu schleifen. Der Bundesrat hat es verpasst; einmal mehr. Statt die Swiss mit harten Auflagen zur Sanierung zu zwingen, rettete die Schweizer Regierung die Airline mit ihren vergoldeten Aeropers-Piloten mit einer Milliarden-Garantie. Derweil macht Bern die Klein-Unternehmer zu Bettlern. Selbstständige als Ich-Unternehmer kriegen ein Trostgeld von gut 3’000 Franken im Monat. Kaviar im Cockpit, Krümel am KMU-Boden......

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