Montag, 01.03.2021 07:53 Uhr

Schweiz zu – weil Bundesräte Kopf verloren

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Bern, 16.01.2021, 10:51 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 5121x gelesen

Bern [ENA] Die Landesegierung geriet an einer Sitzung in Panik wegen der Virus-Mutationen. Doch Lockdown bringt nichts, sagt Koryphäe. Bleib zuhause. Der Corona-Schlachtruf erhält eine dramatische Zuspitzung. Das Land geht zu, Tiefschlaf bis Ende Februar. Wie der massive Eingriff ins Leben der Bürger und der Wirtschaft geschah, lässt aufhorchen. Die Bundesräte haben während ihrer gestrigen Sitzung die Nerven verloren.

„Bundesratsnahe Kreise berichten, die Sitzung habe eine ganz eigene Dynamik bekommen, als sich die Regierungsmitglieder über das Papier von Gesundheitsminister Alain Berset (48) beugten“, schreibt der Blick. Wenn das stimmt, dann hat die Regierung als oberstes Gremium der Schweiz einen ihrer wichtigsten Entscheide in einer Panikreaktion gefällt. „Die Meldungen aus Irland und Grossbritannien zum neuen Mutantenvirus hätten erschreckt“, fährt der Blick fort. Dort seien „die Fallzahlen explodiert“. Es folgt, was seit Ausbruch der Krise immer folgt: Mehr Ansteckungen führt zu mehr Spitaleinweisungen, dies bei einem „Gesundheitssystem, das fast bis zum Anschlag belastet“ sei, so ein Epidemiologe. Gestern waren 28 Prozent der Intensivbetten frei.

und 25 Prozent insgesamt in den Spitälern. Ein Ex-Herzchef des Zürcher Unispitals und heutiger Spitalfunktionär, der selbst schwer an Corona erkrankt war, sagt im Tages-Anzeiger auf die Frage zu einer Überlastung im Gesundheitswesen und den Spitälern: „Ich würde trotz all den aktuellen Schwierigkeiten nicht von einer generellen Mangelversorgung sprechen.“ Die Befürworter der Total-Schliessung argumentieren mit Pflegern am Anschlag und 70 Prozent höherer Ansteckung durch die neuen Virus-Varianten. Doch ausgerechnet jetzt zeigt eine neue Studie von John Ioannidis, einem der weltweit anerkanntesten Experten rund um die Virus-Ausbreitung, dass Lockdowns nichts gebracht hätten. Ioannidis und seine Mit-Autoren verglichen die Ansteckungen

in Ländern mit scharfen Schliessungen mit solchen, wo die Regierungen sanfter eingriffen und keine Total-Stilllegungen durchführten, so wie in Schweden. Das Ergebnis verblüfft. „While small benefits cannot be excluded, we do not find significant benefits on case growth of more restrictive NPIs. Similar reductions in case growth may be achievable with less restrictive interventions.“ NPIs meint „non‐pharmaceutical interventions“, also beispielsweise die Schliessung ganzer Regionen oder Länder. „Vergleichbare Reduktionen beim Wachstum neuer Fälle sind mit weniger restriktiven Eingriffen erreichbar“, schreiben denn auch die Forscher. Alain Berset, der Gesundheitsminister und SP-Bundesrat, wollte trotz dieser Erkenntnis die Schweiz ein zweites

Mal komplett stilllegen. Die übrigen Bundesräte bis auf Finanzminister Ueli Maurer sind ihm gefolgt. Aus Angst, dass die Zahlen mit neuen Angesteckten durch die Decke gehen, die Notfallstationen zusammenbrechen und Tausende von Menschen sterben. Für die NZZ, die sonst nicht scharf ist mit Urteilen gegen die Machthaber, ein Versagen erster Güte. „Bundesrat befiehlt harten Lockdown: hilflos mit dem Holzhammer“, so die wirtschaftsnahe Zeitung heute. Effektiv erinnert das Vorgehen von Bern an die Feuerwehr, die mit dem grossen Schlauch ein begrenztes Feuer bekämpft und so einen gigantischen Wasserschaden anrichtet. Die Alten sind die Gefährdeten im Covid-Krieg. Wie werden sie in den Heimen geschützt? Ein rigoroses, nationales Konzept fehlt -

zumindest ist bis heute nichts davon bekannt. Wie verhindert das Land, dass die Flugzeuge zu Virenschleudern werden? Wo sind die Kontrollen an den Flughäfen, so wie sie in Fernost seit langem gelten? Es geht um solche gezielte Eingriffe, die an den neuralgischen Punkten die Ansteckungen senken würden. Doch Berset hat sich mit dem Flächenangriff durchgesetzt. Nun gehen alle nach Hause, verkriechen sich für weitere Wochen und hoffen, dass das Virus dann im Frühling abzieht. Was gut möglich ist – je nach Wetter.....

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