Samstag, 30.05.2020 23:33 Uhr

CH - Erste Sportchefin im Männer-Eishockey

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Bern, 13.04.2020, 11:50 Uhr
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Bern [ENA] Florence Schelling (31) ist die erste Sportchefin im Männer-Hockey. Der Entscheid verblüffte auch das Team. - Inmitten der Corona-Krise sorgt der SC Bern bis weit über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen. Als erster Hockey-Boss überhaupt legt CEO Marc Lüthi das Schicksal seiner Sportabteilung in die Hände einer Frau. Die einst weltbeste Torhüterin Florence Schelling (31) wird Sportchefin.

Ein bahnbrechender, mutiger, aber auch riskanter Entscheid. Entsprechend der Reaktionen. Der Job ist für Schelling Neuland - Schelling wird in Bern eine dicke Haut brauchen. Alex Chatelain war trotz drei Meistertiteln in vier Jahren immer wieder billiger Kritik ausgesetzt. Zuvor wurden auch Sven Leuenbergers Zuzüge oft als «Lottertransfers» abgetan. «Florence wird die Kritik handeln können», mutmasst Untersander. «Marc Lüthi und Rolf Bachmann werden sie einführen und sie unterstützen.» Schelling übernimmt ihn am Dienstag, arbeitet nach ihrem Skiunfall im letzten Jahr, bei dem sie sich den sechsten Halswirbel brach, vorerst 50 Prozent. Das Team hat noch Ferien. «Ich machte grosse Augen» - Tristan Scherwey machte es sich nach dem Frühstück

am Morgen vor dem Fernseher gemütlich. «Ich döste ein. Als ich um 11.25 Uhr erwachte und mein Handy entsperrte, sah ich die Mitteilung des SCB, die wir jeweils vor den Medien per Mail erhalten. Wenn du nach einem Nickerchen eine solche Nachricht liest, machst du schon grosse Augen.» Viele hätten ihn auf Schelling angesprochen, wollten wissen, was er vom Entscheid halte. «Ich sagte allen dasselbe: Ich machte grosse Augen, bin aber überzeugt, dass wir alle hinter ihr stehen werden. Berns Publikumsliebling spürt auch stolz. «Ich finde es cool, gehöre ich einem Klub an, der für eine solche Premiere sorgt. Ein Grund mehr, nächste Saison voll anzugreifen.» Doch Scherwey wäre nicht Scherwey, würde er nicht auch an Vorgänger Alex Chatelain denken.

Auch Ramon Untersander reagierte verblüfft. «Ich glaube, mit Florence hat niemand gerechnet. Ein mutiger Schritt», findet der Verteidiger und macht auf den Umbruch des Klubs aufmerksam. «Es ist auch gut, kommt ein neues Gesicht. Ob das eine Frau oder ein Mann ist, sollte in der heutigen Zeit keine Rolle spielen. Abgesehen davon bin ich keiner, der voreilige Schlüsse zieht oder jemanden vorverurteilt. Jeder hat eine Chance verdient. Überhaupt: Wieso sollte Florence das nicht können?» Der WM-Silberheld kennt Schelling kaum. «Wir sind uns bei Olympia kurz begegnet. Und ich habe sie bei den Hockey-Awards gesehen. Mein Schwager erzählte mir, er habe einst als Novize in Davos gegen sie gespielt.»

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