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Bei ZKB duzen sich alle – ausser die Bankräte

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 19.07.2021, 10:11 Uhr
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Zürich [ENA] Schalter-Banker sagt „Hoi“ zum CEO, Chefin Private Banking „Du“ zu Kundenberater. Kein Generell-Duzis einzig im „Polit-Büro“. Hey Martin, heute bist Du aber früh dran. So kanns seit dem 1. Juli in der Zürcher Kantonalbank tönen, wenn CEO Scholl durch die Pforten an der Bahnhofstrasse 9 tritt. Duzis von ganz unten zu ganz oben und umgekehrt. Querbeet nennen sich beim grössten und wichtigsten Staatsinstitut seit

wenigen Tagen alle beim Vornamen. „Seit dem 7. Juli sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank untereinander per du“, bestätigt ein Sprecher der ZKB. Einzige Ausnahme sind neben den Kunden die sogenannten Bankräte. Gemeint sind die Mitglieder der strategischen Führung, in anderen Banken und Grossunternehmen wären das die Verwaltungsräte. In der politisch kontrollierten ZKB – die Bank gehört dem Zürcher Volk und steht unter der höchsten Kontrolle des Kantonsrats – nennt man diese Leute Bankräte. Sie bleiben als honorige Persönlichkeiten etwas auf Distanz im allgemeinen Duzis-Fieber. „Bei Kundinnen und Kunden, dem Bankrat und auch in Rekrutierungsgesprächen gilt die formelle Anrede, falls nichts anderes abgemacht wird“,

sagt der Banksprecher. Wieso diese Ausnahme für den Bankrat? „Der Bankrat hat als formelles Aufsichtsorgan gewünscht, dass man im Grundsatz beim ‚Sie‘ bleibt, das individuelle ‚du‘ aber weiterhin möglich ist.“ Quasi-Amtspersonen, die ihre Macht und den Respekt qua Anrede aufrechterhalten. Ab Stufe Generaldirektion hingegen ist alles „amerikanisch“ beim grossen Zürcher Bankhaus. Hi Hans, ciao Fredi, hoi Trudi. Das Duzis ist überall im Finanzgeschäft auf dem Vormarsch. Die Credit Suisse gab vor Jahresfrist zu reden, als sie die kollegiale Ansprache für Kunden in Filialen testete – kombiniert mit Sneakers und Röhrli-Hosen ihres Front-Personals. Der Auftritt sorgte kurz für Wellen, die CS krebste leicht zurück. Doch das Projekt ging weiter.

Doch dort ist die Kultur eine andere. Der Austausch per Vorname verkleinert nicht die Distanz zwischen oben und unten, er hat sich einfach durch die Geschichte des Landes etabliert. Umgekehrt die Alpenrepublik. Wir waren uns gewohnt, lange beim „Sie“ zu bleiben. Der Schritt zum „Du“ galt als besondere Wertschätzung und wurde oft feierlich mit einem Glas in der Hand vollzogen. Nun fällt auch diese Brauch – Turnschuh an, Höflichkeitsfloskel weg. Das Tutti-Duzis der ZKB, einer Bank, die durch und durch mit dem traditionsreichen Zürich verbunden ist, macht das deutlich.

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