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CH - Bank Mirabaud im Venezuela-Sumpf....

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Genf, 10.09.2020, 08:44 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 3071x gelesen

Genf [ENA] Die Mirabaud gehört zum Genfer Dreigestirn. Pictet, Lombard, dann Mirabaud. Man ist stolz auf die lange Geschichte mit Gründung 1819.201 Jahre später gerät die Mirabaud ausgerechnet in jenen Sumpf, der zu den grössten rund um Geldwäscherei und Korruption von Regimes und Potentaten zählt: Venezuela. Was die Genfer im explosiven Fall derzeit aufführen, lässt die Frage aufkommen, ob man den Aussagen ihrer Spitzen

trauen kann. In einem Interview mit Finews meinte Mirabaud-Senior-Partner Lionel Aeschlimann vor 2 Wochen auf die Frage, ob die Bank „any Venezuelan clients at all“ habe: „No“. Punkt. Es vergingen nur 10 Tage, dann meldete Finews mit Bezug auf US-Gerichtsakten rund um das Geständnis eines Venezuela-Geschäftsmann 180 Grad Anderes. Man habe „a very limited number of ‚old‘ (historic) clients of Venezuelan nationality“; dies, nachdem die Mirabaud im US-Prozessfall aufgeleuchtet war. Der Sprecher betonte gegenüber dem Finanzmedium, dass die Privatbank „vor mehreren Jahren“ entschieden habe, keine neuen Venezuela-Kunden bei sich aufzunehmen. Stimmt wenigstens diese Aussage? Auch da tauchen Fragezeichen auf. Bei einem dieser Kunden handelte es

Raul Gorrin, ein Geschäftsmann aus dem mausarmen Land, das von der Regierung ausgenommen wird. Gorrin hat ein Anwaltspatent und ist gross im Mediengeschäft. Er wird wegen Geldwäscherei im grossen Stil gejagt. Gorrin war Kunde bei der Julius Bär, bei der mehrere Kundenberater mit Venezuela-Klienten grosse Boni generierten. Die Berater landeten vor US-Richtern. „Im Mai 2018 löste sich Bär von Gorrín.“ Wenige Monate später, am 20. November, wurde er von den US-Behörden wegen Verschwörung zur Geldwäscherei im Fall PDVSA angeklagt. Und dann kommts: „Eine inoffizielle Liste zeigt weitere Banken, mit denen Raúl Gorrín eine Kundenbeziehung gehabt haben soll. So soll Gorrín im Mai dieses Jahres einen zweistelligen Millionenbetrag von der Bank Bär

an die Genfer Privatbank Mirabaud überwiesen haben.“ Mirabaud wollte sich laut der NZZ nicht dazu äussern, die Bank habe aber hervorgestrichen, dass „kein Enforcement-Verfahren“ gegen sie laufe. Der Zeitpunkt des behaupteten Wechsels von Venzuela-Unternehmer Gorrin von der Bär zur Mirabaud ist heikel. Im Jahr 2018 leuchteten rund um Geldwäscherei und Korruption von Regierungsleuten und Chefs der staatlichen Ölfirma PDVSA sämtliche Lampen grell auf. Laut einer Quelle stimmen die Aussagen der NZZ von damals. Das würde heissen, dass die Mirabaud-Chefs zu einem Zeitpunkt, als Venezuela im Geldgeschäft längst als toxisch galt, einen der prominentesten und umstrittensten dieser Kunden entweder bei sich aufgenommen hat.

Oder, falls Gorrin schon Kunde war bei den Genfern, diesem erlaubt hätten, noch mehr Geld zu sich zu transferieren. Bei der Mirabaud gabs keine neuen Auskünfte auf Fragen zum damalige NZZ-Artikel. Die Bank ist inzwischen in weitere Stürme geraten, so rund um 100 Millionen Dollar vom Saudischen König an den damalige König von Spanien. Das Geld von Don Carlos wurde der Mirabaud im 2012 zu heiss, als der Spanien-König mit einer Affäre und einer Elefantenjagd in Afrika für Schlagzeilen sorgte. Mirabaud überwies die 100 Millionen vom Scheich respektive Don Carlos auf ein Konto der Bank Gonet in der Karibik, das der einstigen Geliebten des Ex-Monarchen gehörte. Gonet hat ihren Sitz in Genf.

Die Bank ist in einem weiteren stark beachteten Fall auf: jenem des Mexikaners Emilio Lozoya. Es handelt sich um den Chef des staatlichen mexikanischen Ölkonzerns Pemex. Lozoya wurde vor Jahresfrist via Interpol zur Verhaftung ausgeschrieben, wie der Tages-Anzeiger damals berichtete. „Die Familie Lozoya soll hinter mehreren Firmen auf den britischen Jungferninseln stehen, die Konten bei der Genfer Privatbank Gonet & Cie. besitzen.“ Und noch eine dritte Genfer Privatbank sorgt für wenig erspriessliche Neuigkeiten. Die CBH, ausgeschrieben Compagnie Bancaire Helvetique. Zusammen mit der Zürcher EFG taucht die CBH prominent rund um Geldwäscherei mit der Venezuela-Elite auf, wie der Miami Herald Anfang Jahr in einer langen Reportage vermeldete.

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