Montag, 26.10.2020 07:14 Uhr

CH - Ernst & Young hat Zürcher Arbeitsamt im Haus

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 26.09.2020, 09:56 Uhr
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Zürich [ENA] Bei EY erfassen die Berater und Revisoren ihre Arbeitszeit in einem System namens Mercury. Dort finden sich Einträge, die es eigentlich gar nicht geben sollte: solche für Sonntage. Der siebte Tag der Woche ist gesetzlich geregelter Feiertag. Die Arbeit muss dann ruhen – ausser ein Unternehmen hat eine Sonderbewilligung. Die hat Ernst & Young nicht. Warum auch. Trotzdem malochten die Leute: jahrelang.

Sie trugen die Zeiten brav im Mercury ein, ihre Vorgesetzten wussten also davon. Das ist nun explodiert. Das zuständige Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) von Zürich ist bei EY im Nebengebäude des Prime Towers im Hause. Das sagt eine Quelle. Die Ermittler hätten nun vor Ort ihre Untersuchungen aufgenommen, meinte die Auskunftsperson. Entsprechend nervös sei die Führung. Auf eine Anfrage hielt sich EY bedeckt. „Über Besucher an unseren Standorten generell und spezifisch zu Ihrer Anfrage können wir keine Auskunft geben“, meinte eine Sprecherin der Beratungsfirma. Die Sonntagsarbeit war lange kein Thema. Die Mitarbeiter schrieben ihre Stunden auf, die Partner oben in der Firma freuten sich über ihre einsatzfreudigen Unterstellten.

Dann, Ende 2019, kam plötzlich von der Brücke die Meldung: Gratis-Überzeit gibt’s bei uns nicht. Das interne Mail sorge für Erstaunen. Jeder wusste doch, dass bei EY auch sonntags geschuftet wird. Was soll das? Der Grund dürfte in ersten Vorstössen beim Arbeitsamt liegen. Die staatlichen Prüfer hatten wohl damals erste Hinweise für problematische Praktiken beim Beratungsunternehmen erhalten. Nun begannen sie, Fragen zu stellen. Die Führung reagierte wie ein Ertappter. „The model needs to be adjusted“, tippte sie ins Intranet. Das mit der Jahreszeit, bei der Berater zwischenzeitlich massiv zu viel arbeiten, komme auf den Prüfstand. Das Modell der Jahresarbeitszeit habe „challenges“ gezeigt, der Grund liege in der „seasonality“.....

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