Dienstag, 03.08.2021 02:11 Uhr

Crazy Guy hinterlässt Raiffeisen in Trümmern

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 16.07.2021, 13:01 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 1295x gelesen

Zürich [ENA] Gefallender Lachappelle schlägt wegen Affäre um sich, VR Raiffeisen und Finma schweigen. Schon bei Wahl Alarm ignoriert, jetzt Strafverfahren. Die Raiffeisen-Gruppe als dritte Kraft im Land liegt heute Morgen am Boden. Ihre 11’000 Mitarbeiter fragen sich: Wie konnte das nur passieren? Guy Lachappelle, ihr Präsident, hatte wenige Stunden zuvor tränenerstickt ins Mikrofon gebeichtet: „Ich habe einen sehr grossen Fehler

gemacht. Diesen werde ich nun bitter bezahlen müssen.“ Lachappelle beendete damit ein unglaubliches Schauspiel. Der Basler, nach dem Fall Vincenz 2018 als Hoffnungsträger zur Genossenschaftsgruppe gestossen, hat sich als Unguided missile entpuppt. Lachappelle überzog alle, die ihm gefährlich werden konnten, mit superprovisorischen Klagen: seine Ex-Geliebte, den SonntagsBlick und Ringier, das Medienportal Zackbum. Sein Anwalt verschickte Abmahnungen und Beanstandungen, schlug wild um sich, drohte. Die Verantwortlichen liessen den unkontrollierbaren Präsidenten der systemrelevanten Raiffeisen gewähren, als ob dieser einer Hintertupfinger Molkerei vorstehen würde. Die Finma meinte auf Fragen der letzten zwei Wochen, seit der Skandal

ausgebrochen war, immer nur: Wir sagen nichts. Die Raiffeisen Schweiz befand zum Punkt, was denn der Verwaltungsrat in der Causa seines Präsidenten unternehme und ob das oberste Organ eine interne Untersuchung eingeleitet habe, lediglich: Ist Privatsache von Herrn Lachappelle, wir äussern uns vorläufig nicht dazu. Lachappelle konnte die vierte Macht im Land, die Presse, einschüchtern, mit einem Anwalt, der selber als Präsident einer Aargauer Raiffeisenbank vorsteht und der seinerseits eng mit der dortigen Marketingleiterin verbandelt ist, die als Lachappelles PR-Frau auftritt. Wer das schreibt, dem droht der Anwalt sofort mit einer „Abmahnung“. „Ich halte fest, dass ich Ihnen die nachstehenden Informationen vertraulich gegeben habe“,

steht in dieser. „Es ist Ihnen untersagt, diesen Inhalt zu verwenden oder aus dieser E-Mail zu zitieren.“ Agieren by Zweihänder. Das Trio aus der Basler Provinz war mit all seinen persönlichen Verstrickungen und der Aufgabe im Reich der grossen Bankengruppe alles andere als unabhängig. Die Drei beziehen viel Geld von der Raiffeisen, sprich von deren Besitzern, den Genossenschaftern. Doch für den Verwaltungsrat, der die oberste Instanz von Planet Raiffeisen verkörpert, war dies offensichtlich überhaupt kein Problem. Auf Anfragen gabs stets nichts sagende Stellungnahmen. Die Finma in Bern wollte ebenso wenig ein Problem im ganzen Um-sich-Schlagen erkennen.

Die Ringier-Chefetage stellte mit ihrem Kniefall vor dem grossen Banker und dessen potentieller Werbepartnerin Raiffeisen ihren eigenen Journalisten in den Regen, der den Fall Lachappelle ins Rollen gebracht hatte. Walder&Co. nahmen damit Partei für den Raiffeisen-Boss und desavouierten im Gegenzug ihren eigenen Aufdecker und Rechercheur. Lachappelle und der Rechtsanwalt fühlten sich darauf im Hoch. Nun ging es darum, die letzten Spuren im Netz auszuradieren. „Ich gehe davon aus, dass Sie die im Anhang vorgenommenen Beanstandungen sowie die diffamierenden Kommentare bis Freitag, 16. Juli 2021 entfernt haben“, so ein kürzliches Mail an dieses Medium. Rasch wurde den VR-Mitgliedern und den Leuten im obersten Management klar, dass sie mit

Lachappelle einen zweiten „Roi Soleil“ im Palast hatten. Einen Pierin II. Der Grund könnte die hohe Entschädigung sein. Statt wie noch vor 5 Jahren im Schnitt 170’000 im Jahr kriegten die Mitglieder des Verwaltungsrats der Raiffeisen Schweiz unter Lachappelle nun 250’000 Franken. Der Präsident selbst hatte den Lohnsprung vorgemacht. Letztes Jahr sackte Lachappelle 900’000 Franken ein. Sein Vor-Vorgänger Rüegg-Sturm musste sich noch mit 500’000 begnügen – schon da galt das als viel. Die Fragen liegen auf dem Tisch. Der VR der Raiffeisen hat komplett versagt – zum zweiten Mal in einer Reihe. Macht ihr frisch gekürter Chef von der Zürich-Versicherung seinen Job? Räumt die Finma in St.Gallen endlich auf?

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