Sonntag, 17.01.2021 20:25 Uhr

CS crasht: 1,3 Milliarden Minus in USA

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 11.01.2021, 21:03 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 1660x gelesen

Zürich [ENA] Hammerschlag 2021: Grossbank stellt 850 Millionen zurück für Subprime-Streit, davor schon 450 Mio. für NY-Hedgefund. Die Credit Suisse hat ihr Glück in den USA verspielt. Die einst stolze Schweizer Bank blutet und blutet mit Engagements in Übersee. Heute früh der jüngste Schlag. Die Nummer 2 verbucht für 2020 ein Minus von 850 Millionen Dollar. Es geht um einen Streit mit US-Schrotthypotheken aus den Nullerjahren.

Die Hiobsbotschaft kam mit Vorankündigung. Die CS hatte vor Monatsfrist gemeldet, dass sie mehr Geld zur Seite legen muss. Damals rechnete man mit maximal 400 Millionen. Nun sind es mehr als doppelt so viel. Für die CS, ihre Mitarbeiter und die Aktionäre ein Debakel. Hinzu kommt ein Verlust von 450 Millionen Dollar rund um den New Yorker Hedgefund York. Dort hielt die CS seit Jahren einen stolzen Anteil. Als York letzten November zusammenbrach, musste die CS über die Bücher. Die beiden Taucher summieren sich auf 1,3 Milliarden Dollar. Damit fällt die CS in die roten Zahlen. Laut einem Communiqué von heute früh erwartet die Bank, dass sie „für das vierte Quartal 2020 einen Reinverlust ausweisen“ werde. In ihrer Mitteilung versucht

die CS-Spitze, den Fokus auf ihr operatives Geschäft zu lenken. Dieses laufe insgesamt so wie angekündigt, sprich: zufriedenstellend. Mehr nicht. rotzdem hat die CS-Aktie in den letzten Wochen einen steilen Aufstieg hinter sich. Im letzten halben Jahr legte der Titel um über einen Viertel zu. Mit über 12 Franken liegt der Kurs weit über dem Tiefststand vom letzten Frühling. Auch die UBS und weitere grosse Banken verspüren bei ihren eigenen Titeln Aufwind. Das hängt mit den gigantischen Rettungsaktionen der Länder und Zentralbanken zusammen. Plus die notorischen Aktien-Rückkäufe. Die CS kündigt eine nächste Aktion an. Weniger Aktien, höhere Kurse, so die Idee. Wenn kümmern faule Kredite geplagter Firmen? Dafür gibts Virus-Kredite; Ausfälle

landen beim Steuerzahler. Davon profitieren alle Banken. Umso schwerer wiegen die jüngsten Sonderverluste der CS. Sie erklären, warum CS-Chef Thomas Gottstein kürzlich tiefere Boni für 2020 angekündigt hat. Diese werden in den nächsten Wochen ausbezahlt. Ebenfalls wird klar, warum Gottstein ein nächstes Kostenprogramm gestartet hat; dies, nachdem schon Vorgänger Tidjane Thiam jahrelang die Zitrone ausgepresst hatte. Die CS spricht von Restrukturierung, nicht Abbau. Die Bank verweist auf geplante Investitionen in neu geschaffene Stellen. Ziel sei es zu wachsen. Die Zeche für die horrenden Verluste und Abschreiber zahlen die Mitarbeiter – in der Schweiz. Sie erhalten weniger Bonus und müssen um ihren Job bangen. Die Amerikaner innerhalb

des CS-Konzerns lachen sich ins Fäustchen. Sie behalten in vielen Bereichen das Kommando; sie geniessen „Artenschutz“. Wie ist das möglich? Nach Milliardengräben in Übersee mit der Bank First Boston in den 1980er Jahren, dem Tradinghaus Donaldson, Lufkin&Jenrette im 2000 und dem Hedgefund York im 2010 ist der Schweizer Finanzmulti ausgeblutet. Nun kommt ein weiteres Minus von 850 Millionen hinzu. Bei der CS türmen sich Abschreiber und Verluste – viele davon mit US-Herkunft. Statt dass Gottstein und der VR der CS die Macht der Amerikaner innerhalb des Konzerns brechen, überlassen sie den vermeintlichen Masters of the Universe weite Teile ihres Hauses. Schweizer Treuherzigkeit in Reinkultur.

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