Montag, 01.03.2021 07:16 Uhr

CS crasht, Gottstein im Nebel

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 18.02.2021, 12:05 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 1999x gelesen

Zürich [ENA] Vermögensverwaltung -24 Prozent im Q4, auch Asien sinkt. Swiss Kunden flüchten, Risky-Kredite durchs Dach: Hütte brennt. Die Credit Suisse hat am Vortag des Präsidentenwechsels dringenden Handlungsbedarf. Die Frage stellt sich, ob der neue Präsident an CEO Thomas Gottstein festhalten wird. Gottstein liefert heute sein erstes Jahresergebnis als operativer Chef ab. Die Zahlen von ihm und seinem Team sind ein Desaster.

Im vierten Quartal gabs auf Gruppenstufe einen Verlust von 350 Millionen Franken. Fürs ganze Jahr brach der Gewinn um 22 Prozent ein. Die erzielten 2,7 Milliarden Franken sind nicht einmal halb so viel wie bei der Erzrivalin UBS. Diese vermeldete vor 3 Wochen ein Rekordergebnis. Besonders zu denken gibt die Vermögensverwaltung. Ausgerechnet die CS-Vorzeigedivision hat im 2020 massiv verloren. Die mit vermögenden Privatkunden erzielten Einnahmen summierten sich auf knapp 14 Milliarden, das sind 8 Prozent weniger als im 2019. Im vierten Quartal gings im CS Wealth Managemet richtig steil bergab. Um satte 24 Prozent sackten die Erträge ein. Ein regelrechter Crash. Bei der UBS das gegenteilige Bild.

Dort stiegen die Einnahmen im Globalen Wealth Management fürs ganze 2020 um über 20 Prozent. Ebenfalls gut wie die UBS schlug sich hingegen die CS-Investmentbank. Diese verdiente im ganzen Jahr und auch im Schlussquartal spürbar mehr: plus 19 Prozent bei den 2020er Einnahmen, gleich viel im Schlussquartal. Der Sprung im Trading und der Firmenberatung ist nicht das, was Gottstein will. Der operative Chef hat vom VR den Auftrag, die Vermögensverwaltung zur Perle zu machen. Diese macht schon heute den Löwenanteil aus – dank einem grossen Geschäft in Fernost. Doch auch dort, in Asien, zeigt der Trend in die falsche Richtung. Im Schlussquartal sanken die Erträge leicht, Kunden suchten das Weite. Was nur ist los mit der CS, was macht Gottstein

falsch? Offensichtlich hat der CEO der Nummer 2 keinen Plan. Zumindest keinen, der die Bank auf neue, zukunftsträchtige Beine stellt. Vielmehr verabreicht Gottstein Hoffnung auf bessere Zeiten. Man habe im 2020 „die Bank in eine gute Ausgangslage (gebracht), um 2021 und darüber hinaus Wachstum verzeichnen zu können“, so ihm heutigen Communiqué. Wie? Gottstein & Co. listen vier Punkte auf. „Schaffung einer globalen Investment Bank“, „Einführung der neuen Funktion Sustainability, Research & Investment Solutions“, „Integration der Neuen Aargauer Bank in die Swiss Universal Bank“, „Einführung der integrierten Funktion Chief Risk and Compliance Officer“. Integrierte Investmentbank, Öko-Fonds, One Swiss Brand, verschmolzene Risk&Compliance

alles organisatorische Dinge, jedoch nichts Strategisches oder Innovatives, kein Schnitt und kein Fokus. Gottstein im Nebel. Der Chef der CS war sein Leben lang Dealmaker. Er zog die grossen Aufträge für Firmenfusionen und Börsengänge an Land. Nun ist er ganz anders gefordert. Er muss eine neue CS bauen. Die alte ist marode. Damit scheint Gottstein überfordert. Statt einen überzeugenden Plan nach vorn vorzulegen, malt er rosa – angesichts der Zahlen nicht nachvollziehbar. „Unsere Vermögensverwaltungsbereiche verzeichneten eine starke operative Performance, bedingt durch höhere transaktionsabhängige Erträge“, schreibt die CS, gefolgt von dem Folgenden: (Hervorhebung durch IP)

„Auf ausgewiesener Basis verzeichneten diese Bereiche insgesamt einen Rückgang des Nettoertrags um 8% im Vorjahresvergleich auf CHF 13,6 Mia. Die transaktionsabhängigen Erträge stiegen um 3%, wurden jedoch durch die um 4% niedrigeren wiederkehrenden Kommissions- und Gebührenerträge und den um 4% niedrigeren Zinserfolg mehr als ausgeglichen.“ Starke operative Performance, dabei sinkt alles? Rosa speak, sozusagen. Das Problem von Gottstein ist, dass er das Neue aufbauen und gleichzeitig das Alte ausmisten muss. Die Abschreiber auf faule Kredite schiessen durchs Dach. Im ganzen 2020 summierten sie sich auf 1,1 Milliarden Franken, ein Ende ist nicht in Sicht.

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