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Ex-Bär-CEO steuert Digital-Hype in Konkurs

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 31.12.2020, 14:39 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 2140x gelesen

Zürich [ENA] Walter Knabenhans wollte mit Ecommerce-Startup Balluun durchstarten. Nun ist KMU Pleite, Investoren verlieren Einsatz. Balluun wurde hochgejubelt. „Das Zürcher Start-up Balluun nimmt Fahrt auf“, titelte die Bilanz vor 3 Jahren.Mit Philippe Gaydoul und Walter Knabenhans hätte das Digital-KMU „prominente Investoren gewonnen“. Tausende von Kleininvestoren wollten sich darauf die Chance nicht entgehen lassen, beim nächsten Facebook dabeizusein. Nun stehen sie vor einem Scherbenhaufen. Die Balluun AG mit Sitz in Zürich ist Pleite.

„Mit Urteil vom 09.12.2020 hat die Konkursrichterin des Bezirksgerichts Zürich über die Gesellschaft mit Wirkung ab dem 09.12.2020, 14.00 Uhr, den Konkurs eröffnet; demnach ist die Gesellschaft aufgelöst“, steht im Handelsregister. Auf Balluun.com findet sich nichts dazu. Als ob nichts passiert wäre, heisst es dort zuoberst: „Own a B2B Market Network for Your Industry“. Wer mehr unter „News“ erwartet, findet dort einen letzten Eintrag vom März dieses Jahres. Damals ging die Schweiz in den ersten Corona-Schlag. Gut möglich, werden die Verantwortlichen genau das als Grund ihres Scheiterns ausführen. Das Virus hat uns erledigt. Dabei geht es um Anderes. Die Balloon war von Beginn weg ein Hype. Der Effort ihrer Chefs lag im Verkaufen der Aktien

mit Ausblick auf einen Börsengang. Über Zwischenhändler stiegen Schweizer Kleininvestoren ein. Noch kurz, bevor die ersten Hiobsbotschaften erfolgten. Diese führten vor gut einem Jahr zu einer Teilsanierung. Der starke Mann, ein Innerschweizer Unternehmer namens Ariel Lüdi, zog sich als Präsident zurück. Es übernahm Walter Knabenhans, einst CEO der Bank Julius Bär. Knabenhans hatte sich schon zuvor mit eigenem Geld bei der Balluun engagiert. Ab Juli 2019 wurde er Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift, unter seiner Führung gelang im Oktober die Entlassung aus der Nachlassstundung. Am 1. November 2019 liess sich Knabenhans darauf als neuer Präsident des VRs der Balluun AG wählen. Als neue Revisionsstelle für die zuvor ausgeschiedene EY

eine „Merkli & Partner“ in Baden. Die neue Führung mit Old Banker Knabenhans geriet rasch in Schwierigkeiten. Diesen Frühling neigte sich das Geld erneut zur Neige. Eine nächste Kapitalerhöhung tat not. Diese wurde im September im Handelsregister eingetragen. Dabei stach ins Auge, dass ein Darlehen mit 10 Millionen neuen Aktien verrechnet wurde. Geholfen hat alles nichts. Auch das zuletzt eingeschossene Kapital verbrannte – und wie. Weniger als 3 Monate nach der Erhöhung des Eigenkapitals war bei der Balluun der Ofen aus. „Balluun AG in Liquidation“, heisst die Firma neu. Und Präsident Walter Knabenhans ist abgetaucht. Keine Antwort auf Anrufe.

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