Montag, 01.03.2021 07:48 Uhr

Hamers schickt Trading-Boss – wars das?

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 17.02.2021, 09:27 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 2109x gelesen

Zürich [ENA] UBS-CEO beendet Doppelspitze in Investmentbank, belässt 2er-Führung im Private Banking und teure Group Managing Directors. Ralph Hamers zerschlägt die teure Doppelführung in der Investmentbank. Damit räumt der Holländer auf mit einer Altlast aus der Ära von Sergio Ermotti.Gleiches hat Hamers bereits zuvor mit Schweiz-Chef Axel Lehmann getan. Dass dieser nicht genügt, war längst klar. Gehandelt hatte Ermotti nicht, sondern den unangenehmen Entscheid weitergereicht.

Hamers scheint, das Problem ganz oben beim Multi erkannt zu haben. Die Grossbank leidet unter einem massiven Wasserkopf. Ihr Top-Management ist aufgebläht, was auf die Rechnung drückt. Die Aufwände hätten längst deutlich sinken müssen. Ohne Abbau in den obersten Etagen gelingt das nicht. Ermotti hat das nie geschafft. Vielmehr beförderte er Buddies zu Group Managing Directors. Die GMDs sind überzahlte Höflinge. Sie erhalten das Dreifache der Managing Directors, obwohl sie nicht mehr leisten als diese. Für Ermotti waren sie trotzdem Gold wert. Unbedingte Loyalität war ihm sicher – finanziert mit dem Geld der Aktionäre und der Crew. Für diese blieb weniger übrig. Der alte Zopf gehört längst abgeschnitten,

sagen Ex-UBS-Kader. Er berge das Potenzial institutionalisierter Korruption. Eine Ende brächte Hamers unter den Betroffenen viele Gegner. Diese sind oft seit Jahrzehnten bei der Grossbank und entsprechend mächtig. Jüngste Beförderungen ins Board der Group Managing Directors (GMDs), die ausser gemeinsamen „Klassenreisli“ nichts tun und schon gar nichts zu bestimmen haben, zeigen die Beharrungskräfte zuoberst in der Bank. Erneut wurden Leute berücksichtigt, die keine grossen Stricke verrissen haben, sondern vor allem durch Powerpoints bestechen. Papierhengste statt Leader. Dass unter Hamers ein neuer Wind für die teuren Spitzenleute der Bank wehen könnte, zeigt die kurze Abgangsfrist für den abspringenden Co-Leiter der Investmentbank.

Dieser verlässt die UBS per Ende März.Auch im riesigen Backoffice der Bank steht Neues vor der Tür. Hamers meinte rund um die Jahreszahlen Ende Januar, dass der Bereich mit Informatik, Rechenzentren und übrigen Operationen, wo die Bank Zehntausende beschäftigt, auf dem Prüfstand stehe. Deshalb beliess Hamers Sabine Keller-Busse auf dem Stuhl des Chief Operating Officers, obwohl diese gleichzeitig neue Schweiz-Chefin ist. Zwei Jobs für eine Spitzenkraft statt umgekehrt: Hamers macht, was Ermotti in all seinen Jahren umging. Nun muss sich zeigen, ob der Holländer auch in der Vermögensverwaltung mit Iqbal Khan und Tom Naratil sowie bei den Group Managing Directors Zeichen setzt.

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