Samstag, 17.04.2021 09:22 Uhr

Hildebrand stolperte über Blackrock

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 28.02.2021, 10:12 Uhr
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Zürich [ENA] Ex-SNB-Chef brachte alles mit für OECD-Topjob. Als sich aber Kanzlerin Merkel querlegte, war es um Berns Mann geschehen. Philipp Hildebrand hätte alle Voraussetzungen für einen globalen Stardiplomaten: Er weiss unglaublich viel, hat Spitzenkontakte in der Wirtschafts- und Finanzwelt rund um den Globus, hält Vorträge mit einer Brillanz, wie sie in Europa selten geworden sind und sieht aus wie Lex Barker

in seinen besten Jahren als Tarzan. Hildebrand, der Generalsekretär der OECD werden wollte, ist an der Schweiz gescheitert. Sie ist als Land zu unbedeutend geworden, um einem der ihren einen Platz in der Weltspitze zu verschaffen. Das lässt auch Schlimmes ahnen für den Erfolg des Berner Dauerversuchs, einen Sitz im Sicherheitsrat der UNO zu erringen. We are not made for this. Hildebrand ist aber auch, und vielleicht vor allem, aufgrund seines jetzigen Arbeitgebers Blackrock gescheitert. Als Vize-Chairman dieser gewaltigen „Money machine“, die durch ihren Chairman Larry Fink immer mehr politischen Einfluss sucht, war er sicher vielen linken Regierungen unheimlich. Hildebrand hatte ein sehr vernünftiges Programm, um die reichen Staaten

dieser Welt wieder in den wirtschaftlichen Vorwärtsgang zu bringen: Zusammenarbeit, Investitionen, Bildung und Wissen. Einer seiner Programmpunkte dürfte aber nicht allen gefallen haben, deren Stimmen er brauchte: Privates Kapital müsse „durch richtige Anreize“ mobilisiert werden. Das ist ein grosses Anliegen von Hildebrands Arbeitgeber Larry Fink. Dieser fliegt seit zwei Jahren um die Welt, um die riesigen privaten Vermögen der Altersvorsorge in seine Firmenkanäle zu leiten. Es ist nicht einmal auszuschliessen, dass Blackrock dies besser machen würde als mancher AHV-Manager. Aber die sehr starke linke Front in der globalen Politik würde es nie zulassen, dass Blackrock mit diesen „heiligen“ Geldern auch noch Gewinne macht.

So blieb Hildebrand, nicht weit vom Ziel entfernt, stecken. Er bekannte, auch die Merkel-Regierung habe ihn nicht unterstützt, was sicher schädlich war. Wer wundert sich darüber? Die Schweizer Politik und grosse Teile des Schweizer Volkes zeigen der EU seit über 20 Jahren die lange Nase. Jetzt kandidiert eine ehemalige EU-Kommissarin, Cecilia Malmström, mit Unterstützung der EU-Staaten für den OECD-Job. Nur noch ein Australier steht ihr im Weg. Die Schweiz, macht sie so weiter, ist im Begriff zu verzwergen. Seit Hildebrands vermeidbarem Sturz aus den Höhen der Schweizerischen Nationalbank habe ich geschrieben: Damit verlieren wir einen Spitzenmann, der für die Aussen- und Weltpolitik hervorragend geeignet wäre.

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