Sonntag, 17.01.2021 18:51 Uhr

Rohners Freunde erhalten neue Jöblis in der CS

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 05.01.2021, 17:49 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 2019x gelesen

Zürich [ENA] Bevor der Kapitän von der Brücke geht, werden gut bezahlte Aufgaben an enge Weggefährten vergeben. Sonst hätte Versenkung gedroht. Pierre Schreiber ist kein geläufiger Name in der Bankenwelt. Dabei war es der Sekretär des Verwaltungsrats der CS, der im 2014 die Milliardenstrafe der Bank im US-Steuerstreit abwickelte. Nun hat Schreiber eine neue Aufgabe in der Grossbank übernommen.

Er stösst zum Diversity&Inclusion-Team dazu. Dieses steht hoch im Kurs. „Without diversity. We limit ourselves. Inclusion is the opportunity.“ So die Überschrift auf der entsprechenden CS-Seite. Was genau Schreiber zur angestrebten Diversität beitragen kann, leuchtet prima vista nicht ein. Laut der Bank habe er sich schon bisher mit der Thematik auseinandergesetzt. So oder so zeichnet Schreiber anderes aus. Als Sekretär des Verwaltungsrats bis 2017 war er einer der engste Vertrauten des Präsidenten. Der heisst Urs Rohner, ein Schweizer und Ex-Hürdenläufer, der sich auf den letzten Metern seiner langen Karriere befindet. Rohner übergibt im Frühling das Kommando an seinen Nachfolger, einen gestandenen Banker aus Portugal mit Spitzenjob in UK.

Schreiber, der im 2012, ein Jahr nach Rohners Wahl zum CS-Präsidenten, in das Amt des Sekretärs gewählt worden war, stand vor einer ungewissen Zukunft. Würde der Neue, Antonio Horta-Osorio, ihn weiter neben sich wollen? Die Zeichen im VR und in der ganzen Bank stehen auf Veränderung. Für Schreiber der Moment, sich ein warmes Plätzchen zu suchen. So jedenfalls könnte man seinen Wechsel hinüber zu den Diversity- und Inclusion-Leuten interpretieren. Safe bis zur Pensionierung. Ein anderer, der lange zusammen mit Urs Rohner weit oben in der Bank agierte, ist Christoph Brunner. Brunner, ein Ex-McKinsey-Mann, lenkte in den Nullerjahren das Backoffice des weltweiten Private Bankings der CS, bevor er ab 2011 an der Front stand – als Leiter

des Schweizer Private Bankings. Dann erlitt Brunner einen gesundheitlichen Rückschlag, 2015 verliess er die Bank. „Private equity investor and advisor with a focus on new technologies“ gab die CS Brunners Aktivitäten bis 2020 an, als sie ihn zurück in die gute Stube holte. Brunner erhielt einen VR-Sitz in der CS Schweiz, der wichtigsten Tochter der CS-Gruppe. Dort präsidiert der Zahlenmensch seit letztem Frühling das Audit Komitee. Damit ist Brunner „back“. Der VR-Job in der CS Schweiz ist für den überschaubaren Aufwand hoch bezahlt, gleichzeitig geniesst er viel Renommee. Aus der Früh-Pensionierung zurück ins grosse Banken-Spiel. Rohner sei Dank? Sicher ist: Die Wahl von Brunner ins Schweizer CS-Spitzengremium ging ein Jahr vor dem Abtritt

von Rohner als Präsident der CS Gruppe über die Bühne. Zeitlich perfekt. Brunner und Schreiber, zwei CS-Schlachtrösser, deren persönliche Zukunft gesichert ist – zumindest fürs Erste. Düsterer sieht es diesbezüglich für die Normalos in den unteren Gefilden des Finanzmultis aus. Sie müssen stets mit der Kündigung rechnen. Ihnen fehlt ein Götti ganz oben, Safe bis zur Pensionierung.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.