Montag, 01.03.2021 07:52 Uhr

Swiss Re’s Pleite mit Projekt Atlas

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 19.02.2021, 11:01 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 1961x gelesen

Zürich [ENA] Hunderte Millionen für SAP-Projekt aufgeworfen, Nutzen unklar, Projektleiter vergoldet. Beispiel aus Ära von Uncle Walt. Walter Kielholz ist Uncle Walt. Heute publiziert die Swiss Re letztmals ihre Jahreszahlen mit Kielholz auf der Kapitänsbrücke. Im Frühling übergibt der Langzeit-Präsident das Kommando an Sergio Ermotti. Kielholz‘ Abgang ist in rote Farbe getüncht. Die führende Rückversicherung der Welt erlitt

erlitt im Pandemiejahr einen Verlust von 900 Millionen Dollar. Alles halb so wild, so Kielholz und seine Truppe. Ohne Covid hätten wir ein Plus von über 2 Milliarden hingelegt. Hätte, wäre. Für Kielholz die Lösung zum Abschluss. Die Dividende zugunsten der Aktionäre bleibt unverändert, dank der „sehr starken Kapitalausstattung der Gruppe und des positiven Marktausblicks“. So wird Minus-Leistung schöngeredet. Denn im Kern leidet die Swiss Re unter hausgemachten Fehlleistungen. Die Gruppe verdient in weiten Bereichen zu wenig, sie hat sich mit strategiefernen Abenteuern verzettelt. Hinzu kommen interne Pleiten, Pech und Pannen. Als Beispiel ein Grossprojekt mit der deutschen Computerfirma SAP. Dieses zeigt, woran die Swiss Re

unter der Herrschaft ihres ewigen Generals Kielholz wirklich leidet. Sie verpulvert Vermögen, ohne harte Konsequenzen zu ziehen und entsprechend dazuzulernen. Atlas hiess das Projekt, mit dem die Swiss Re ihre finanziellen Operationen auf moderne Beine stellen wollten. Nach Hunderten von Millionen Kosten wurde es umgetauft in Olympus. Was Atlas-Olympus gebracht hat, ist unklar. Laut einem Kritiker sei das Geld mehr oder weniger nutzlos verpufft. Was hingegen sicher ist: Der Projektleiter, der das Fiasko – wenn es tatsächlich eines ist – zu verantworten hat, wurde vergoldet. Er durfte jahrelang vor sich hin werkeln, kassierte viel Lohn und Bonus, einen letzten zu seinem Abschied. Auf ihre Kosten kamen auch seine Mitstreiter,

die zwar Atlas nicht zum Fliegen brachten, aber ebenfalls gut am Vorzeige-Vorhaben verdienten. Rund um Atlas respektive Olympus ist es ruhig geworden. Das einst gross angekündigte Projekt wird von der Swiss Re nicht mehr in den Vordergrund gerückt. Der einstige Projektleiter, der sich mit gefülltem Bonus-Rucksack auf und davon gemacht hat, preist sich heute als Coach mit breiter Erfahrung an. In Erinnerung bleibt von ihm ein Videoclip, wie er in einem Mini in James Bond-Manier ums Mythenquai herumkurvte, wo die Swiss Re ihren Hauptsitz hat. Der Clip sei an Peinlichkeit nicht zu überbieten gewesen, so eine Auskunftsperson. Er sei dann rasch vom Swiss Re-Intranet entfernt worden. Geblieben ist das Loch mit Atlas.

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