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UBS-Baumeister Marcel Ospel (†70) verstarb am Sonntag

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Basel, 27.04.2020, 14:23 Uhr
Presse-Ressort von: turotti.en-a.ch Bericht 4930x gelesen

Basel [ENA] Steiler Aufstieg, brutaler Absturz - Er setzte alles auf eine Karte und kam ganz nach oben: Der verstorbene Ex-UBS-Präsident Marcel Ospel (†70) war zeitweise einer der am meisten bewunderten Banker der Welt. Doch in der Finanzkrise verlor er Posten und Ehre. Und wieder steht die Welt in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren. Dabei ist es nur zwölf Jahre her, dass der Abgrund viel näher war:

2008 stand die Wirtschaft nicht still, weil die Regierungen das befohlen hatten, sondern weil sich das globale Finanzsystem im Lockdown befand. Keine Bank traute mehr der anderen, die angesehensten Geldhäuser hatten eben festgestellt, dass ihre Besitztümer zum Grossteil Schrott waren. Einer stand mittendrin: Für Marcel Ospel (†70) wurde die Finanzkrise zum persönlichen Waterloo. Seine Bank, die UBS, galt als stockkonservativ, doch tatsächlich hatte sie sich so stark verspekuliert wie weltweit kaum ein anderes Institut. 70 Milliarden Franken setzte sie in den Sand. Es habe ein bisschen reingenieselt, sagte Ospel nonchalant im Frühling 2007, als die ersten Verluste auftauchten. Zehn Monate später stand er mit dem Rücken zur Wand.

2008 stand die Wirtschaft nicht still, weil die Regierungen das befohlen hatten, sondern weil sich das globale Finanzsystem im Lockdown befand. Keine Bank traute mehr der anderen, die angesehensten Geldhäuser hatten eben festgestellt, dass ihre Besitztümer zum Grossteil Schrott waren. Einer stand mittendrin: Für Marcel Ospel (†70) wurde die Finanzkrise zum persönlichen Waterloo. Seine Bank, die UBS, galt als stockkonservativ, doch tatsächlich hatte sie sich so stark verspekuliert wie weltweit kaum ein anderes Institut. 70 Milliarden Franken setzte sie in den Sand. Es habe ein bisschen reingenieselt, sagte Ospel nonchalant im Frühling 2007, als die ersten Verluste auftauchten. Zehn Monate später stand er mit dem Rücken zur Wand.

Nach einer turbulenten, zehnstündigen Generalversammlung in der Basler St. Jakobshalle trat Ospel im Februar 2008 völlig erledigt vor die Presse. Niemand habe die Verluste sehen können, sagte er, sie seien wie eine Naturkatastrophe. Und wer, bitte schön, kann schon eine Naturkatastrophe voraussagen? Damit war klar: Superbanker Ospel, der 26 Millionen Franken im Jahr kassierte, war so ahnungslos wie der Rest der Welt. Eine Welle hatte ihn hochgespült, jetzt begrub sie ihn unter sich. Er hatte einfach seinen Analysten vertraut, und die hatten ihm gesagt: alles im grünen Bereich. Dabei war die UBS längst auf einen Eisberg aufgefahren. Nicht mal zurückgezahlte Boni konnten seinen Ruf retten - Ospels Karriere war beendet.

Zwei Monate später, im April 2008, war er weg. Angeblich verzichtete er freiwillig auf die Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident der UBS. Später wurde bekannt, dass ihn die Aufsicht zum Rücktritt gezwungen hatte. Wie andere gefallene UBS-Granden zahlte er später einen zweistelligen Millionenbetrag an Boni zurück. Doch seinen Ruf konnte Ospel damit nicht retten. Ospel wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Kleinbasel auf, ging in einer Gegend mit schlechtem Ruf zur Schule, machte schliesslich eine Lehre bei einer kleinen Börsenbank, später machte er die HWV. Von da an ging es nur noch aufwärts. Mit seiner ersten Ehe heiratete er in die feine Basler Gesellschaft ein, plötzlich gehörte der Bäckerssohn zum Daig.

Ospel war der geborene Spekulant. Auch als er den Börsenring längst verlassen hatte, blieb er ein Zocker. Und meist setzte er auf die richtige Karte. Beim SBV kam Ospel ganz nach oben, zusammen mit Mathis Cabiallavetta (75), sein Pendant bei der Bankgesellschaft, zimmerte er 1997 die damals grösste Fusion der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Nur ein Dreivierteljahr später war Cabiallavetta weg, gestolpert über die Verluste bei einem Hedgefonds. Ospel war fortan Alleinherrscher der UBS. Für die UBS war Ospel ein Verhängnis. Für seine Freunde muss er ein grossartiger Mensch gewesen sein.

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