Sonntag, 21.04.2024 15:57 Uhr

Bundestagspräsidentin B. Bas im Weseler Rathaus

Verantwortlicher Autor: Filmteam goldecken.tv R. Majchrzak Wesel (Niederrhein), 06.03.2024, 15:23 Uhr
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(Ulrike Westkamp, Bärbel Bas, Regina Lenneps)
(Ulrike Westkamp, Bärbel Bas, Regina Lenneps)  Bild: Filmteam goldecken.tv Reinhard Majchrzak

Wesel (Niederrhein) [ENA] Mit besonderer Freude begrüßte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp Frau Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Wir freuen uns sehr, Frau Bundestagspräsidentin, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und gleich einen Impulsvortrag an uns richten. Ich freue mich Elena Handel mit ihrer Sand-Show zu begrüßen.

Ein herzliches Willkommen gilt unseren stellvertretenden Bürgermeisterinnen Birgit Nuyken, Ruth Freßmann und Marlies Hillefeld. So begrüßte die Bürgermeisterin Ihre Ehrengäste, ca. 170 Frauen und einen Mann am 02. März 2024 im Ratssaal der Stadt Wesel. Rede der Bürgermeisterin Ulrike Westkamp: Der Frauenempfang der Stadt Wesel findet traditionell am Samstag vor dem Internationalen Frauentag am 8. März statt. Für Frauen aus Wesel und Umgebung ist dieser Empfang seit 21 Jahren ein fester Termin, um sich auszutauschen und sich über frauenrelevante Themen zu informieren. Dazu gehört stets ein Rückblick auf das, was in der Vergangenheit erreicht oder auch nicht erreicht wurde.

Die gesellschaftliche Rolle der Frau war im letzten Jahrhundert klar definiert. Frauen hatten sich um den Nachwuchs zu kümmern, die Hausarbeit zu erledigen und für die Einhaltung der moralischen Grundsätze zu sorgen. Erst am 12. November 1918, nur drei Tage nach Ausrufung der Weimarer Republik geschah etwas Grundlegendes. Der Rat der Volksbeauftragten verlieh allen Bürgerinnen und Bürgern des Deutschen Reiches ab einem Alter von 20 Jahren das aktive und passive Wahlrecht. Das Reichswahlgesetz trat daraufhin am 30. November 1918 in Kraft. Und am 19. Januar 1919 konnten Deutschlands Frauen erstmals reichsweit bei den allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung

ihr aktives und passives Stimmrecht wahrnehmen. 82% der wahlberechtigten Frauen gaben Ihre Stimme ab. Darunter auch Wesels berühmte Stadttochter Ida Tacke. Sie ließ es sich nicht nehmen, trotz krankheitsbedingtem Aufenthalt in einem Berliner Krankenhaus, ihr Stimmrecht auszuüben. Insgesamt schafften es 37 Frauen neben 386 Männern als Abgeordnete zuerst nach Weimar und später nach Berlin in die Deutsche Nationalversammlung. Mit der Erlangung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 war eine der wichtigsten Etappen in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung erreicht. Bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz sollte es weitere 30 Jahre dauern. „Männer und Frauen sind gleichberechtigt."

ihr aktives und passives Stimmrecht wahrnehmen. 82% der wahlberechtigten Frauen gaben Ihre Stimme ab. Darunter auch Wesels berühmte Stadttochter Ida Tacke. Sie ließ es sich nicht nehmen, trotz krankheitsbedingtem Aufenthalt in einem Berliner Krankenhaus, ihr Stimmrecht auszuüben. Insgesamt schafften es 37 Frauen neben 386 Männern als Abgeordnete zuerst nach Weimar und später nach Berlin in die Deutsche Nationalversammlung. Mit der Erlangung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 war eine der wichtigsten Etappen in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung erreicht. Bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz sollte es weitere 30 Jahre dauern. „Männer und Frauen sind gleichberechtigt."

So heißt es in Art. 3 Abs. 2 Grundgesetz. Verkündet wurde dieser Gleichheitsgrundsatz am 23. Mai 1949 in der Schlusssitzung des Parlamentarischen Rates. Dank des unermüdlichen Engagements von vier Politikerinnen (Friederike Nadig, Dr. Elisabeth Seibert, Dr. Helene Weber und Helene Wessels) wurde der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. Diese vier Frauen werden heute auch die vier Mütter des Grundgesetzes bezeichnet. Wir haben ihnen in Wesel jeweils eine Straße gewidmet.

Nach 1945 war die Zahi der erwerbstätigen Frauen gestiegen; auch hatten sich die Bildungschancen für Mädchen deutlich verbessert, so dass immer mehr Frauen ein Studium aufnahmen. Die Lebenswirklichkeiten der Frauen in den 1950er und 1960er Jahren waren allerdings nicht von einer vorwärts gerichteten Perspektive geprägt. Ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen, war für die Frauen eine soziale Katastrophe. Viele Mütter bekamen in diesem Fall nicht einmal das Sorgerecht für das eigene Kind zugesprochen. Augen auf bei der Partnerwahl galt aber auch für verheiratete Frauen. So mussten Ehefrauen ihren Gatten zu jedem Zeitpunkt sexuell zur Verfügung stehen.

Der Mann wurde als alleiniger Entscheidungsträger über Frau und Kinder durch das Ehe- und Familienrecht bestimmt. Die Gesellschaft insgesamt verharrte in den veralteten patriarchalischen Strukturen. So empfanden es die jungen Frauen zunehmend als widersprüchlich, dass sie in der Regel weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen, dem Mann nicht gleichgestellt waren, aber die Hauptbelastung für Haushalt und Kinderbetreuung trugen. Zudem war von Führungspositionen keine Rede. Erst seit 1958 hatten Frauen das Recht auf den Erwerb des Führerscheins, ohne dass die Ehemänner zustimmen mussten. Das Recht der Frauen, ohne Zustimmung des Ehemannes zu arbeiten, wurde endgültig erst 1977 eingeführt.

Zuvor durften Frauen nur arbeiten, wenn das mit „ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar" war. Nachts zu arbeiten war jedoch noch bis 1992 „aus moralischen und gesundheitlichen Gründen" verboten. Erst seit Juli 1997 ist die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Wenn es um die Erziehung von Mädchen ging, hieß es in deutschen Familien gewöhnlich: „Sei sittsam und bescheiden, dann mag dich jeder leiden". Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet der Lebenslauf von Ida Noddack-Tacke. Sie wurde am 25. Februar 1886 in Lackhausen, einem heutigen Stadtteil von Wesel geboren. Als eine der ersten Frauen in Deutschland studierte sie Chemie und promovierte 1921 an der Technischen Hochschule Berlin.

Gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Walter Noddack begann sie 1922 an der Physikalischen Reichsanstalt in Berlin mit der systematischen Suche nach den letzten chemischen Elementen. Zehn Mal wurden Ida Noddack- Take und ihr Gatte für den Nobelpreis für Chemie nominiert. Auch wenn sie die Auszeichnung nie erhielten, zeigt dies doch die herausragende Bedeutung der Weseler Wissenschaftspionierin und ihres Mannes für die Forschung. 1937 wurde Ida Noddack zum Mitglied der Leopoldina, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, gewählt. 1966 erhielt sie das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Als besondere Anerkennung hat die Stadt Wesel im Ortsteil Lackhausen eine Straße nach Ida Noddack benannt.

Zum 110. Geburtstag der Forscherin am 25. Februar 2006 hatte u.a. ich das Vergnügen, an ihrem Elternhaus in Wesel Lackhausen eine vom Verkehrsverein erstellte Bronzetafel zu enthüllen. Sechs Jahre später wurde auf der nach ihr benannten Straße eine Büste Ida Noddacks enthüllt. 2019 wurde in Wesel in der Stadtmitte eine neue Gesamtschule gegründet. In Gedenken an eine berühmte Tochter dieser Stadt, beschloss der Rat der Stadt Wesel, die neue Gesamtschule nach Ida Noddack zu benennen. InGe wird die Gesamtschule heute von den Schülerinnen und Schüler liebevoll genannt. Dieses prominente Beispiel aus Wesel zeigt, dass Frauen, die die gleichen Bildungschancen wie Männer hatten, mit großem Erfolg ihrer Berufung folgen konnten.

Ida Noddack-Tacke, die in eine Unternehmerfamilie hineingeboren wurde, hatte das Glück, dass ihre Eltern ihre begabte Tochter unterstützten. Viele andere Frauen mussten sich dem Willen ihres Vaters oder Ehemannes beugen, Erst das Grundgesetz von 1949 schuf die Grundlage für gleiche Bildungschancen für Männer und Frauen. Männer, die über die Bedürfnisse von Frauen entscheiden, können keine gerechten Ergebnisse für Frauen erzielen. „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen" - das gilt auch heute noch uneingeschränkt. Ich freue mich sehr, den Internationalen Frauentag auch 2024 wieder mit Ihnen zu feiern. Sehr gespannt bin ich auf den Impulsvortrag unserer Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. - Vielen Dank

Die Komplette Redebeitrag von Bärbel Bas am 02-03-2024 Ratssaal Wesel zum 21. Frauenempfang der Stadt Wesel: Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, liebe Ulrike, sehr geehrte Frau Regina Lenneps. Sehr geehrte Damen und den einen Herrn, der heute dazu lernen wird, mit mir auch. Sehr herzlich willkommen. Am 3. Tag ist Internationaler Frauentag und ich freue mich wirklich, dass Sie hier in Wesel diesen Tag schon an diesem Samstag hier Vorfeiern können. Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, Sie feiern im Oktober ein Jubiläum. Vor 20 Jahren wählten die Menschen in Wesel Sie als erste Frau in dieses Amt. Dreimal wurden Sie wiedergewehrt und das ist eine starke Bilanz. Und Sie haben drei stellvertretende Bürgermeisterinnen.

Auch das ist ein großartiges Zeichen. Bei mir im Deutschen Bundestag, im Präsidium, haben wir deutlich die Mehrheit mit 5 zu 1, aber wir sind noch nicht so weit wie Sie. In Ihrer Rede haben Sie eben sehr zutreffend beschrieben, es war, ist und es bleibt ein weiter Weg für uns Frauen. Viele Vorgängerinnen haben unsere heutigen Chancen mühsam erkämpft. Ich denke oft und auch mit Dankbarkeit an diese Wegbereiterinnen, ohne die wir heute nicht hier wären. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Trümmerfrauen unser Land im Wortsinn wieder aufgebaut. Und auch am Aufbau unserer Demokratie hatten Frauen prägenden Anteil. Gerade heute ist mir wichtig, an diese Vorkämpferin zu denken.

Es war etwa Elisabeth Selbert, die unnachgiebig für den Satz Männer und Frauen sind gleichberechtigt im Grundgesetz gekämpft hatten. In diesem Jahr feiern wir auch 75 Jahre Deutscher Bundestag. Im Sommer gibt der Bundestag ein Buch über die weiblichen Abgeordneten des ersten Bundestages heraus. Der Titel. Der nächste Redner ist eine Dame. Diese Frauen machten damals weniger als ein Zehntel für der Abgeordneten aus. Viele von ihnen sind heute vergessen. Dabei verdienen sie es, was wir uns an sie erinnern Die 68-Jährige Helene Weber etwa hatte schon in der Weimarer Republik ihre Stimme erhoben. Aenne Brautsiebpe war während des Krieges erwachsen geworden und wollte die neue Republik mitgestalten.

Und dann waren da Janet Wolf oder Greta Thiele, deren Familien unter den Nationalsozialisten gelitten hatten. Sie hatten Verfolgung, Foltern und lagerhaft erlebt. Jetzt wollten sie dafür sorgen, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen. Was diese Frauen trotz ihrer Unterschiede einten, sie kämpften leidenschaftlich, um im Männerdominierten Bonner Plenum gehört und ernst genommen zu werden. Sie haben Geschichte und Politik gestaltet. Liebe Frauen, im vergangenen Jahr haben sie hier in unserem Dokumentarfilm die Unbeugsamen gezeigt. Und sie hatten mit Christian Nikels eine Hauptdarstellerin des Films und der Bonner Republik zu Gast. Ein starker Film mit starken Frauen zu einem starken Jubiläum.

20 Jahre Frauen empfangen, haben sie hier im Ratssaal im letzten Jahr gefeiert.) Und übrigens wer den Film noch nicht gesehen hat, ich kann ihn sehr empfehlen, sie sollten das nachholen. Im Film berichten Frauen aus allen Parteien über ihre Erfahrungen in der Bonner Republik. Diese Berichte sind erschreckend und manche kommen einem heute noch schrecklich vertraut vor. Der Film hat mich auch erschüttert und zugleich haben mich diese unerschrockenen Frauen inspiriert. Inspiriert nicht lange zu zögern, wenn ich als Frau ein spannendes Jobangebot bekomme. Inspiriert nicht an mir zu zweifeln, sondern selbstbewusst ja zu sagen. Zum Beispiel, wenn einem das Amt der Bundestagspräsidentin angeboten wird.

Ich gebe zu, nach dem Ja habe ich die Nacht nicht geschlafen. Aber jetzt nach fast zweieinhalb Jahren im Amt kann ich sagen, es ist alles beherrschbar und wir schaffen das. Liebe Frauen in meiner Antrittsrede muss ich trotzdem betonen, dass ich erst die dritte Frau in diesem Amt bin. Nach Anne-Marie Renger und Rita Süßmuth, den ich auch besonders viel zu verdanken habe. Als der Deutsche Bundestag 1972 zum ersten Mal eine Bundestagspräsidentin wählte, war das in der deutschen Sprache überhaupt nicht vorgesehen. Das Plenarprotokoll notierte und ich zitiere, Amtsübernahme durch den Präsidenten Frau Renger. Wer heute die Sitzungsleiterin mit Frau Präsidenten anspricht, bekommt einen Ordnungsruf.

Insofern sind wir schon etwas weiter vorgeschritten. Heute haben wir eine Frauenquote bei Aufsichtsräten oder einen Entgelt Transparenzgesetz. Auch in dieser Wahlperiode sind wir schon einige Schritte vorangekommen. Zum Beispiel mit der Streichung von §219a oder dem Plan für eine feministische Außen- und Entwicklungspolitik. Als Chefin der Bundestagsverwaltung kann ich auch einen kleinen Beitrag leisten. Deshalb haben wir Frauen in frühen Positionen gestärkt. Von sechs Abteilungsleitungen werden vier zwischenzeitlich von Frauen geführt. Im Bereich der Unterabteilungsleitungen haben wir den Frauenanteil von 20 auf 33% erhöht.

Und ich habe die Karte der Vielfalt unterstiegen und in elf Tagen erhält der Bundestag das Zertifikat des Audits zu Ruch und Familie. Liebe Frauen, am Ziel der echten Gleichstellung sind wir aber natürlich noch lange nicht. Das Weltwirtschaftsforum hat 2023 gemessen, dass wir erst 2145 global die Gleichstellung erreichen, wenn es in diesem Tempo weiter geht. Das bedeutet noch über 120 Jahre. Kein Mädchen, das heute auf die Welt kommt, wird das jemals erleben. Deshalb müssen wir diesen Prozess beschleunigen. Wir müssen uns einsetzen für echte Gleichstellung von Frau und Mann auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Woher hapertes es in Deutschland? Im Laufe eines Frauenlebens tun sich verschiedene Hindernisse auf.

Die größte Hürde auf dem Weg zu echter Gleichstellung steckt vielleicht in den Köpfen. In männlichen wie in weiblichen. Das fängt schon in der Kita an. Der Erzieher ist immer noch der Exot. Auch das ist ein kleiner Grund, warum Deutschland weit rund 384.000 Kitaplätze fehlen. Wo Erzieher und Erzieherinnen fehlen, können eben keine Kinder betreut werden. In der Schule werden immer noch bestimmte Fachrichtungen als typisch, weiblich und männlich wahrgenommen, trotz wichtiger Initiativen wie Girls und Boys Days. In der vierten Klasse haben Jungen in den Mind-Fächern bereits ein Leistungsvorsprung von 15 Wochen. Das Interesse der Mädchen wird nicht genügend gefördert, sie fühlen sich von unter uns zu denen angesprochen.

Am Ende der Grundschule ist diese Lücke kaum noch aufzuholen. Ein Frauenproblem? Nein. Ein Problem für die Gesellschaft insgesamt. Nicht nur aus Gerechtigkeitsgründen. Angesichts des Fachkräftemangels können wir uns es schlicht nicht leisten, auf diese Talente zu verzichten. Die fehlenden Kitaplätze sind ein großes Problem für viele Eltern, die gerne beide arbeiten möchten. In der Regel sind es dann die Frauen, die notgedrungen zu Hause bleiben oder auf Teilzeitlösungen umsteigen. Das wird kaum honoriert, noch nicht einmal richtig wahrgenommen. Im Väter-Report des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sagen nur 10% der Mütter, dass die Väter die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen.

Und jetzt raten wir mal, wie die Väter das einschätzen. Sie reklamieren 25%. Noch immer wird private Kehrarbeiten nicht ausreichend anerkannt, ob für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Und meist kümmern sich auf die Frauen. Noch immer wird die Arbeit in sozialen Berufen, in Kitas, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht ausreichend wertgeschätzt und vor allem nicht ausreichend bezahlt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass vor allem Frauen in diesen Bereichen arbeiten. Der Equal Payday war im Jahr meines Bundestagseinzuges, 2009 am 20. März. 15 Jahre später ist er immerhin vor dem Frauentag, am Mittwoch, den 6. März. Allerdings auch nur, weil 2024 ein Schaltjahr ist.

Sonst wäre er wie 2022 und 2023 am 7. März eine stabil schlechte Stagnation. Und das wiederum führt dazu, dass noch immer vor allem Frauen in der Altersarme leiden. Im Alter haben Frauen knapp 30% weniger Geld zur Verfügung als Männer. Liebe Frauen, echte Gleichstellung bedeutet auch, gleiche Teilhabe an der Macht. In Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Und natürlich auch in anderen Bereichen. Doch noch immer dringen Frauen zu selten in Spitzenpositionen durch. Sie stoßen immer noch an gläsernen Decken. Beispielsweise an Universitäten. Gut, die Hälfte der Studierenden ist weiblich. Etwas mehr als die Hälfte der Absolventen sind Frauen. Aber nur 28% der Professoren stellen werden mit einer Frau besetzt.

Zu oft werden die eben aufgezählten Probleme als Frauenprobleme oder gar die Hälfte der Abgetanen. Es ist nicht nur Frauen, die auf diese Weise ausgegrenzt werden. Es ist unsere Gesellschaft als Ganzes. Um das zu ändern, müssen Frauen angemessen, repräsentiert und beteiligt werden. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Erst 27,9% der Weltbevölkerung werden von einem weiblichen Staatsoberhaupt vertreten. Nur 22,9% der Parlamentsmitglieder weltweit sind Frauen. Dass der Wert so niedrig ist, liegt auch an uns. Nur 35,33% unserer Abgeordneten sind weiblich. Der Deutsche Bundestag muss aufholen, mehr als 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts. Bei der Wahl von Anne-Marie Renger, 1972 waren es knapp 6%.

In den 80er und 90er Jahren ist der Frauenanteil auf immerhin ein Drittel angewachsen. Aber seit gut 20 Jahren tut sich nichts mehr. Der Fortschritt ist leider kein Selbstläufer. Ich bin davon überzeugt, wir erreichen die Parität nicht durch Abwarten. Wir müssen uns aktiv dafür einsetzen, dass wir den Weg von freiwilligen Quoten aufhören und zu einem wirklichen 50-50 kommen. In Thüringen und Brandenburg hatte der Gesetzgeber Quoten auf Landesebene beschlossen. Doch die Landesverfassungsgerichte haben diese Gesetze für verfassungswidrig erklärt. Diese Gesetze beschränkte die Freiheit der Parteien zu sehr ein, so heißt es in den Begründungen.

Ich hoffe dennoch weiter, dass wir eine verfassungsgemäße Lösung und vor allen Dingen parlamentarische Mehrheiten für eine Parität finden. Bis es so weit ist, bleibt es den Parteien überlassen, ob sie nicht wenigstens freiwillig dazu bereit sind, abwechselnd auf ihren Listen Männer und Frauen zu platzieren. Liebe Frauen, es reicht nicht, dass einzelne Frauen Spitzenämter bekleiden. Wir müssen die Strukturen verändern, den politischen Betrieb frau gerecht machen. Parteien und Parlamente müssen dafür sorgen, dass mehr Frauen Zugang zur Politik finden. Lange Sitzungstage, viele Reisen, späte Abstimmung erschweren es, Amt und Familie gut zu vereinbaren.

Das wird auch immer noch als Problem für Frauen und weniger als ein Problem für Männer gesehen. Viele von Ihnen kennen sicherlich auch das Phänomen, wie oft werden sie gefragt, ob ihre Kinder gut versorgt sind. Jetzt raten Sie mal, wie oft Ihr Mann das gefragt wird. Hinzu kommt eine männlich geprägte politische Kultur. Die Kommunikation, die Formellen wie informellen Spielregeln, die Netzwerke, die sind immer noch zu stark männlich dominiert. Und deswegen ist es auch so wichtig, dass wir Frauen uns stärker vernetzen. Genauso wie heute hier auf diesem Empfang, das ist wirklich besonders wichtig. Wir müssen uns gegenseitig stärken. Das zeigen auch die Erfahrungen im Internet.

Politikerinnen werden im Netz deutlich mehr angefeindet. Mehr als ihre männlichen Kollegen. Das geht von Hasskommentaren über Cybermobbing, Cyber-Stalking bis hin zu Vergewaltigungsfantasien und Morddrohungen. Gerade für Politikerinnen auf kommunaler Ebene ist das eine enorme Belastung. Sie haben oft keinen Personenschutz, so wie ich als Bundestagspräsidentin. Vielleicht hat dieser Hass auch die eine oder andere hier im Raum schon dazu gebracht oder auch davon abgehalten, sich stärker zu engagieren. Meist steht dahinter schlicht die Sorge um die Sicherheit der eigenen Familie. Und das kann ich verstehen. Trotzdem muss klar sein, unser Land braucht Frauen wie Sie alle.

Es gibt allen Grund, die Stimme zu erheben, gerade heute. Liebe Frauen, auch hier in Wesel sind kürzlich rund 5000 Menschen auf die Straße gegangen, um für Demokratie, Freiheit und Toleranz zu demonstrieren. Sicher waren auch viele von ihnen dabei. Und auch ich fahre gleich im Anschluss wieder zurück in meine Heimatstadt Duisburg, die heute eine Demonstration für die demokratischen Werte durchführt. Die Feinde unserer Demokratie haben auch unser modernes Gesellschaftsbild im Visier. Und wir dürfen Ihnen und Ihren reaktionären Rollenbildern nicht das Feld überlassen. Wir müssen für unsere Werte einstehen, ob in der Familie, im Gespräch mit den Nachbarn oder im Verein. Ich weiß, dass solche Gespräche unangenehm sein können.

Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass daran auch Freundschaften zerbrechen können. Einige Menschen haben sich komplett abgeriegelt, wollen von der Welt da draußen nichts mehr wissen. Andere finden scheinbaren Frieden in einfachen Antworten. Die Pandemie, die Kriege in der Ukraine und im neuen Osten, die steigende Lebenshaltungskosten, all das verunsichert. Doch auf komplizierte Weltlagen gab es noch nie einfache Antworten. Wir ringen um richtige Lösung, auch wenn es anstrengend ist, und tun das auf dem Fundament unserer Grundrechte. Wie dem Recht auf Gleichberechtigung.

Liebe Frauen, wir sollten herausragende Frauen stärker würdigen. Nicht nur am Frauentag. Und deswegen finde ich es richtig gut, dass Sie in Wesel an Ida Noddak erinnern. Das Bild können wir dort sehen. Und es ist schon angesprochen worden. Sie ist so viele Male für den Nobelpreis nominiert worden. Und ich finde es richtig gut, dass Sie hier in Ida ein Denkmal für Sie aufgestellt haben. Eine Straße und auch eine Schule nach Ida Noddak. Liebe Frauen, meiner Generation fehlten oft Vorbilder. Eine Bundespräsidentin hatten wir zwar noch nicht, aber eine Bundeskanzlerin, eine Bundesratspräsidentin und viele andere starke, sichtbare Frauen.

Wir müssen uns unserer Vorbildfunktion bewusst sein. Und ich selbst möchte jungen Frauen und Mädchen Mut machen. Natürlich auch Ihnen allen hier im Rad sei. Mut sich einzubringen. Mut dem eigenen Urteil und der eigenen Stärke zu vertrauen. Und auch dem Mut sich treu zu bleiben. Lassen wir uns nicht von Stereotypen Frauenbildern kleinhalten. Wir brauchen die Mutigen und die Sorgfältigen, die Wissbegierigen und die Kreativen. Die Frechen und die Nachdenklichen, die Sensiblen und die Hartnäckigen. Junge Frauen und Mädchen wissen heute besser. Sie können alles erreichen, was sie wollen. Und zusammen sollten wir sie in diesem Wissen immer bestärken. Vielen Dank.

Rede von Frau Dr. Daniela Rezek (Chefärztin Brustkrebszentrum Wesel): Sehr geehrte Frau, Gleichungsbeauftragte, liebe Frauen, vielen Dank für die Einladung. Vor fast 14 Jahren gründeten wir den Verein Aktion B, Brustgesundheit am Niederheim. Ziel des Vereins ist es Frauen für ihre Brustgesundheit zu sensibilisieren. Zum einen damit Brusterkrankungen frühzeitig erkannt und zum anderen damit sie auch frühzeitig behandelt werden. Weil Brustkrebs früh behandelt, ist auf jeden Fall zu 80 % heilbar. Dieses Ziel, um auf Brusterkrankungen aufmerksam zu machen, haben wir durch öffentlichkeitswirksame Kunstaktionen verfolgt.

Die Botschaft hinter all diesen Aktionen lautet, Frauen, schaut auf euch, seid achtsam, nehmt eure Brustgesundheit in den Blick und nutzt alle Formen der Früherkennung. Durch unsere Vereinsarbeit und Gespräche und ich persönlich durch meine jahrzehntelange Tätigkeit als Chefärztin in einem zertifizierten Brust- und Brustkrebszentrum wissen wir, wie belastend und beängstigend die Diagnose für die betroffenen Frauen ist. Aber vor allem, wenn neben den Strapazen der Behandlung auch noch finanzielle Ängste und die Zukunftsängste dazukommen. Um betroffenen Frauen in dieser schwierigen Lage hilfreich zur Seite zu stehen, hat der Verein Aktion Brustgesundheit schon im Jahr 2020 einen Hilfsfonds aufgelegt.

Dieser Fonds richtet sich an alle Brustkrebskranken Frauen des Kreises Wesel und des Kreises Kleve, die durch eine Brustkrebserkrankungen in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Unser Hilfsfonds wird ausschließlich aus Spendengeldern finanziert und leistet eine unmittelbare Zuwendung an die Betroffene. So und jetzt brauchen wir Ihre Unterstützung, weil wenn Sie zum Beispiel eine Frau kennen, die Brustkrebskrank ist und sich nicht traut oder sich möglicherweise vielleicht sogar schämt, Hilfe in Anspruch zu nehmen, dann können Sie uns helfen. Kommen Sie in unser Brustkrebszentrum und holen Sie einen Antrag ab und geben ihn an diese Frau weiter. Und dann brauchen wir noch weiter Ihre Hilfe.

Möchten Sie vielleicht Ihre Zeitspenden? Möchten Sie als Brustkrebslotsin ehrenamtlich tätig werden? Wir planen zusammen mit der AOK, Frauen auszubilden, die als Brustkrebslotsin tätig werden. Das bedeutet konkret, dass Sie vor allem über unseren Hilfsfonds informieren und den Frauen helfen, einen Antrag auszufüllen, damit Sie diese finanzielle Hilfe auch erhalten. Diese Unterstützung kann sowohl persönlich als auch telefonisch erfolgen. Sie erfahren jetzt von diesem Projekt exklusiv und als Erstes.

In der nächsten Zeit werden wir vom Verein Aktion Brustgesundheit in die Öffentlichkeit treten und weiter über dieses Projekt informieren. Wir möchten als Verein Aktion Brustgesundheit die Brustgesundheit von Frauen in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen.

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